Ausgrabungen beendet: Alle Toten identifiziert

von freakoutcrazy

Insgesamt 228 Leichen wurden auf dem früheren Friedhof der Psychiatrie in Hall geborgen. Alle konnten mittlerweile identifiziert werden. Anzeichen für aktive Tötungen fand man bisher nicht. Auffällig: Viele der Skelette weisen Rippenbrüche auf, die in keiner Krankenakte vermerkt sind.

Hall – Die monatelangen Ausgrabungsarbeiten am ehemaligen Anstaltsfriedhof der Psychiatrie in Hall sind beendet worden. Das Gräberfeld war Anfang Jänner im Zuge von Bauarbeiten beim Krankenhaus Hall entdeckt worden.

„Alle 228 Toten sind identifiziert worden“, berichtete Ausgrabungsleiter Alexander Zanesco am Montag. Damit wurde ein Hauptziel des Projektteams erreicht. Eine Verbindung zwischen den Namen im Gräberverzeichnis und den Skeletten konnte hergestellt werden. „Wir hatten dabei Glück, dass durch die damaligen Bauarbeiten kein größerer Schaden entstanden ist. Gräber wurden nur marginal beeinträchtigt“, so Zanesco.

Anzeichen für aktive Tötungen fanden die Experten bisher nicht. „Auffällig und beunruhigend ist aber, dass über der Hälfte der bisher untersuchten Skelette Rippenbrüche oder andere Verletzungen wie Nasenbein-, Brustbein- oder Schlüsselbeinbrüche aufweisen, berichtete Anthropologe George McGlynn, der mit seinem Team seit Ende März mit Historikern und Archäologen in Hall zusammenarbeitet.

Auffällig sei auch, dass diese Verletzungen nicht in den sonst detaillierten Krankenakten aufscheinen. Erste Ergebnisse der Untersuchungen hätten gezeigt, dass bei vielen Patienten die Verletzungen noch frisch waren. „Sie müssen sich also ihre Verletzungen zu dem Zeitpunkt zugefügt haben, als sie in Hall in Behandlung waren“, meinte der Wissenschaftler.

Kategorie „Psychiatrie und Gewalt“

Dass diese Verletzungen auch zum Tod geführt haben könnten, bezweifelt McGlynn jedoch. Wie und warum diese Verletzungen entstanden waren, könne man noch nicht sagen. „Mit Schlussfolgerungen muss man noch abwarten“, sagte McGlynn. Auch ob die Menschen der NS-Euthanasie zum Opfer fielen, habe man bisher noch nicht nachweisen können. „Ich trau mich das noch nicht zu sagen. Unter Euthanasie versteht man das bewusste Umbringen. Um das nachzuweisen, bedarf es noch vieler Untersuchungen“, sagte der Historiker Oliver Seifert. Für ihn würden die Rippenbrüche in die Kategorie „Psychiatrie und Gewalt“ fallen, meinte Seifert.

Nun stehen die genauen Untersuchungen im Labor an, die längere Zeit in Anspruch nehmen werden. Zudem werden die Gebeine und die Krankenakte der gesamten Psychiatrie ausgewertet. Bis 2013 soll die wissenschaftliche Aufarbeitung abgeschlossen sein und in einer Publikationsreihe münden. (TT.com)

Quelle

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