Gedenkstätte Oranienburg

von freakoutcrazy

Zunehmend mehr Nachfahren von NS-Tätern besuchen die früheren Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück. „Immer mehr Kinder und Enkelkinder von früheren SS-Leuten suchen den Kontakt zu uns. Das hat in den vergangenen fünf Jahren deutlich zugenommen“, sagte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch. Auch Angehörige von Opfern besuchten vermehrt die Gedenkstätten. „Das Bedürfnis, mit uns ins Gespräch zu kommen, ist groß. Der Strom von Anfragen an die Archive reißt nicht ab.“

Das Interesse an der Thematik sei weltweit ungebrochen. Dies verdeutlichten Gespräche mit Teilnehmern der internationalen Workcamps, die es regelmäßig in Sachsenhausen oder Ravensbrück gibt. „Die meisten dieser jungen Menschen sind Weltenbummler, die eher zufällig bei uns landen, weil sie die Reise mit etwas Sinnvollem verbinden wollen“, schilderte er. Nahezu alle von ihnen sprächen sich für den Erhalt der Gedenkstätten aus. „Es ist das Bewusstsein da, dass es sich nicht um eine befristete Erinnerung handelt“, meinte Morsch. Sie sei nicht vergleichbar mit der Erinnerung etwa an den ersten Weltkrieg.

Die Darstellung von Holocaust und NS-Terror müsse auch ohne Zeitzeugen möglich sein. „Natürlich wirkt Erinnerung emotional viel stärker, wenn sie von ihnen vermittelt wird“, sagte Morsch. „Aber die Gedenkstätten konzipieren seit vielen Jahren darauf hin, dass sie die Geschichte ohne die Zeitzeugen vermitteln müssen.“ Dass dies möglich sei, zeige das Thema Euthanasie-Verbrechen. Hier seien außer den Tätern alle Zeitzeugen tot, da die Opfer ausnahmslos ermordet wurden – und doch habe sich die Erinnerung an das Verbrechen eher verstärkt als dass sie verblasse.

In den Gedenkstätten der Stiftung soll dabei die Umsetzung moderner Konzepte helfen. 2011 wurden dabei maßgebliche Schritte geleistet. Vor allem die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück hat sich verändert: Für rund 3,1 Millionen Euro wurden Originalgebäude saniert. Bis Frühjahr 2013 werde zudem eine neue Hauptausstellung eröffnet, sagte Morsch.

Ein weiteres wichtiges Projekt nach langem Stillstand: Die rund 20 Hektar große Freifläche im ehemaligen Häftlingslager der Gedenkstätte Sachsenhausen wird neu gestaltet. „Das Gesicht der Gedenkstätte verändert sich grundlegend.“ Bis April 2012 sollen die Arbeiten beendet sein, die der Bund mit rund drei Millionen Euro unterstützt.

Zu den großen Momenten im Jahr 2011 zählte Morsch unter anderem das 50-jährige Bestehen der Gedenkstätte, das mit einer Sonderausstellung und Veranstaltungen gewürdigt wurde. 2012 werde eine Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Verbrechen in Brandenburg/Havel eröffnet. „Es war immer bedrückend, dass dies ausgerechnet dort fehlte, wo als erstes die systematische Tötung jüdischer Psychiatrie-Patienten erfolgte“, meinte er. Im Potsdam soll Anfang 2012 die Gedenk- und Begegnungsstätte in dem ehemaligen Gefängnis der sowjetischen Geheimdienste mit einer neuen Ausstellung eröffnet werden.

Die Resonanz auf das Angebot der Stiftung ist weiter enorm. Im vergangenen Jahr kamen laut Morsch rund 450.000 Besucher aus dem In- und Ausland in die Gedenkstätte Sachsenhausen – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2010. Mit dazu beigetragen hätten neue externe Gästeführer, die speziell geschult wurden. Konstant blieb die Besucherzahl nach seinen Angaben in Ravensbrück mit etwa 110.000.

Quelle

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