Redebeiträge

2012

Soli-Kundgebung:

Zwangspsychiatrisierung von Alex sofort stoppen !
Montag, 26.03.12 

Die Psychiatrie ist ein Instrument zur Normierung der Gesellschaft.
Vom Ideal des weißen heterosexuellen Mannes der Mittelschicht ausgehend wird jede Abweichung davon pathologisiert. So galten Sklaven, die die Flucht vor ihren Herren ergriffen hatten als psychisch krank. Durch die sogenannte Hysterie wurden Frauen zum
kranken Geschlecht. Homosexualität galt bis zum Jahr 1992 als psychische
Krankheit, ‚Transsexualität‘ noch heute.

Es gilt hier aber nicht nur gegen die Diagnose ‚Transsexualität‘ zu protestieren, sondern alle psychiatrischen Diagnosen radikal in Frage zu stellen.

Auch an der aktuellen Situation von Alex kann eine Kritik am System Psychiatrie auf breiterer Ebene geübt werden. Wir können beobachten, wie in der Diskussion die Mutter von Alex als ‚verrückt‘ oder ‚psychisch krank‘ dargestellt wird, um ihr das Gesundheitsfürsorgerecht zu entziehen.

Diagnosen wie ‚Depression‘, ‚Borderline‘ oder auch ‚Schizophrenie‘ sind gesellschaftliche Konstrukte. Selbstverständlich reagieren Menschen auf ihre Umweltbedingungen. Es ist jedoch eine fatale Schlussfolgerung, diese Reaktionen zu pathologisieren – im Sinne von „die ist ja verrückt/hysterisch/schizophren“ – oder zu biologisieren – im Sinne etwa von „die Gene sind schuld“. Wir werden geprägt von dem was uns umgibt, was wir erleben. Was normal ist oder unnormal entscheidet dabei die jeweilige Gesellschaft.

Statt Kritik bspw. an Leistungszwang und Konkurrenzdruck im Arbeits- und Privatleben im Kapitalismus zu üben, werden die Gründe für ein Nichtfunktionieren in der Gesellschaft in die Person verlagert. Jene, die den gesellschaftlichen Anforderungen nicht nachkommen wollen oder können, werden von der Psychiatrie aussortiert und als sog. psychisch Kranke häufig gegen ihren Willen behandelt.

„Behandelt“ zu werden heißt in der Psychiatrie:

Dem Zugriff der Psychiater_innen ausgeliefert zu sein.

Deren Medikamente Psychopharmaka einnehmen zu müssen.

Die Verantwortung für sich selbst und die eigene Deutungshoheit aberkannt zu bekommen.

Und in letzter Konsequenz der eigenen Freiheit beraubt zu werden, wie dies auch Alex droht.

Deshalb sind wir vom AK Psychiatriekritik:

Gegen die Diskriminierung von Psychiatriebetroffenen

Für ein Hinterfragen von Krankheitskonzepten

Für die Abschaffung der Psychiatrie und für die Revolution

Für wertschätzende und bedürfnisorientierte selbstorganisierte Strukturen

und selbstverständlich: stop Transpathologisierung – Von Alex und allen anderen Menschen!

AKPsychiatriekritik